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Das Finn Dinghy

Olympische Einhandjolle, Männer

Wenig Bootsklassen können eine dem Finn Dinghy vergleichbare Erfolgsstory vorweisen. Diese Einhandjolle ist seit 1952 ununterbrochen olympisch, länger als jede andere Klasse.

Ein Finn (wie das Boot kurz unter Seglern genannt wird) aus den Anfangsjahren hat freilich nur wenig gemein mit einem von heute. Die wesentlichen Abmessungen sind gleich geblieben, aber sonst...

Der 4,50 m lange, voll abgeschottete Rumpf segelt auch bei rauesten Verhältnissen stets trocken. Das Boot ist nicht leicht beherrschbar, aber es ist enorm seetüchtig. Dazu trägt nicht zuletzt sein verhältnismäßig hohes Rumpfgewicht (116kg) bei, welches ihm eine gute Eigenstabilität gibt und nebenbei eine lange Lebensdauer und Wertbeständigkeit garantiert (auch 10 Jahre alte Boote können noch Weltmeisterschaften ersegeln). Der Unterschied zu früher liegt aber hauptsächlich darin, dass in jahrzehntelanger wissenschaftlicher Tüftelei und Experimentierarbeit herausgefunden wurde, wo die Rumpfstrukturen flexibler und wo sie steifer ausgestattet werden müssen, um optimale Segeleigenschaften zu erzielen. Modernste Kunsthofftechnologie machte diese Entwicklung möglich, ebenso wie eine (streng kontrollierte) Massenkonzentration, welche mit herkömmlichen Bauverfahren wie z.B., aus Holz nie erreichbar wäre. Gegenüber früher geht heute ein Finnrumpf unvergleichlich "leichfüßig" und elegant über die Wellen.

Die augenfälligste Entwicklung machten aber Segel und Masten durch: Faserverstärkte Kunsthoff-Folien ohne jegliche Dehnung für die Segel ermöglichen heute eine supergenaue Kontrolle des Segelprofils und somit optimalen Vortrieb für jede Anforderung. Die hierfür erforderlichen Bedienelemente (Beschläge, Leinen usw. ) sind vollkommen freigestellt, auch die dafür verwendeten Materialien.

Das Paradestück ist freilich der Mast. Die enorme Dynamik in der Klasse, welche die besten Segler der Welt hervorbringt (die Skipper der letzten America´s Cup Finals waren alle Finnsegler - und vergessen wir nicht Segellegende Hubert Raudaschl!), gebar hier ein wahres technisches Wunderwerk. Aus kohlefaserverstärktem Kunststoff gefertigt, mit tropfenförmigem Querschnitt, freistehend (d.h. unverstagt), und trotzdem mit genau zum Segel passender Biegekurve, zweieinhalb- bis dreieinhalbtausend Euro teuer, aber selbst diesen Preis wert.

Das Finn wird heute gern mit der Autolegende Porsche 911 verglichen: mit seinen fast altmodischen, wenngleich perfekten Linien, verbunden mit feinster Technik. Es ist immer noch die schnellste Einmannjolle der Welt ohne Trapez, eine ultimative Rennmaschine.

Noch ein Wort zu den Anforderungen an den Segler. Das Boot reagiert empfindlich auf den Gewichtstrimm und muß bei Wind hart ausgeritten werden. Um Internationale Ehren zu erringen, ist der 80 bis 100 kg schwere, voll durchtrainierte Athlet gefordert. Da die Geschwindigkeitsunterschiede gut getrimmter Finns relativ gering sind und das Boot schnelle Manöver zuläßt, kommt der Taktik entscheidende Bedeutung zu. Der Segler muß blitzschnell Entscheidungen treffen um auch geringe Änderungen des Windes, des Seegangs, der Strömung und der Position der Boote untereinander zu nutzen. Dass er hierfür in vielen Trainingsstunden eingeübte, perfekte Manöver fahren kann, ist Vorraussetzung und selbstverständlich.

Finnsegeln ist eine harte Schule. Für die Leistungsdichte spricht, dass bei Welt- und Europameisterschaften unter den Top 20 regelmäßig mindestens 15 verschiedene Nationen aufscheinen. Insgesammt wird das Finn Dinghy in über 60 Ländern gesegelt.

Finn Dinghy, Hauptdaten:
Länge: 4,50 m
Breite: 1,50 m
Tiefgang: 0,85 m
Gewicht des Rumfes incl. Schwert und Leinen: 116 kg
Segelfläche 10 qm
Sämtliche Masse, welche die Geschwindigkeit beeinflussen, sind streng reglementiert (One Design). Bezüglich der Bedienungseinrichtungen und Beschläge besteht weitgehende Freiheit.

Hersteller:
Devoti, Großbritanien
Pata, Ungarn
Mader, Deutschland

Die Neupreise bewegen sich etwa zwischen 12000 und 15000 EUR ohne Segel

Walter Mai (GER 3) .

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